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The Work

The Work ist ein von der Amerikanerin Byron Katie entwickelter Selbstcoaching-Prozess, mit dem Sie belastende Gedanken und die damit verbundenen negativen Gefühle durch eine einfache Fragetechnik auflösen können.

Woher kommt The Work?

Byron Katie - Die Entdeckerin von dem Coaching-Prozess The WorkThe Work entsprang, wie so viele Selbstcoachingprozesse, einer Krise. Katie lebte in den 70er Jahren als Geschäftsfrau und Mutter, als sie von einer schweren Deperession erfasst wurde und über ein Jahrzehnt lang in eine Abwärtsspirale von Paranoia, Selbsthass und Selbstmordgedanken stürzte. Am Ende war sie buchstäblich ans Bett gefesselt (siehe Wikipedia).

An einem Morgen im Februar 1986 ereilte sie jedoch eine blitzartige Eingebung, die sie hinterher als „Aufwachen“ bezeichnen sollte: "Ich begriff, dass ich litt, weil ich meine Gedanken als Wahrheit ansah. Und dass mein Leiden ein Ende finden würde, wenn ich ihnen diese Glauben entzog."

Gedanken als Ursprung für Probleme

Das ist eine wichtige Schlüsselerkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch The Work zieht.

Wir alle haben laut Dr. Daniel Amen rund 60.000 Gedanken pro Tag. Wie und ob man das messen kann, lasse ich mal dahin gestellt, aber ich denke, die Zahl ist nicht ganz unrealistisch: Sie bedeutet, dass wir pro Sekunde einen Gedanken haben.

Achtzig Prozent dieser Gedanken, und das ist das fatale an dieser Statistik, sind negativ: Die meisten unserer Gedanken, so Dr. Amen, drehen sich um Sorgen, Ängste und Befürchtungen.

Byron Katies Botschaft gewinnt in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung: Nicht jeder dieser Gedanken ist wahr! Wie oft erweisen sich Sorgen als vollkommen unberechtigt? Wie oft haben wir Befürchtungen gehabt, die sich im Nachhinein als falsch heraus gestellt haben?

Aber selbst wenn die Sorgen unbegründet sind: Sie verursachen Stress, Kummer und zuweilen einen ganzen Rattenschwanz von Problemen.

Ein einfaches Beispiel dazu: Nehmen wir an, ich befinde mich in einer (beruflichen oder privaten) Partnerschaft und habe den Eindruck, dass meine Partnerin einfach nicht richtig zuhört, wenn ich Hilfe brauche.

Was passiert, wenn ich den Gedanken hege, dass sie mir aber zuhören sollte? Mehr noch: Dass sie mir zuhören sollte, weil das einfach ein Zeichen von Anerkennung und Respekt oder Liebe ist?

Genau hier, genau an dieser Stelle befindet sich das „Problem“. Denn dieser Gedanke verursacht jetzt „Stress“ in mir. Einerseits fühle ich mich innerlich mies – andererseits reagiere ich nach außen hin gereizt, genervt, verärgert oder enttäuscht. Je nachdem. Aber dieses Verhalten macht natürlich die Situation keineswegs einfacher - sondern es sorgt für weitere Schwierigkeiten, weil meine Partnerin nun ihrerseits die Konsequenzen zieht.

Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Wenn wir den Gedanken „Sie sollte mir zuhören“ hinterfragen, können wir den Stress und die damit verbundenen Verhaltensweisen auflösen.

So funktioniert The Work

The Work ist für negative Gedanken aller Art geeignet: „Ich bin ein Verlierer, weil ich Schulden habe“, „Die Politiker sollen nicht so korrupt sein“, „Mein Chef sollte mich mehr loben“ oder „Mein Kollege soll mich nicht immer nerven“.

Im Kern besteht The Work einerseits aus vier Fragen und andererseits aus einer kleinen Gedankenübung.

Die vier Fragen lauten:

  • Ist das wahr?
  • Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
  • Wie reagiere ich innerlich und äußerlich auf diesen Gedanken?
  • Wie fühle ich mich ohne diesen Gedanken?

Mit dem anschließenden Gedankenexperiment überprüfen wir, ob auch das Gegenteil stimmen kann – und schaffen so ein gesundes Gegengewicht zu dem eher einseitigen, negativen Gedanken.

(Dieses Video zeigt einen Auszug einer "Work" mit dem Experten Moritz Boerner, der eine Klientin namens Lizzy zum Thema "Abiturstress" coacht.)

Ein praktisches Beispiel
Nehmen wir als Beispiel den Gedanken: „Meine Partnerin soll mir mehr zuhören“.

Frage 1: Ist das wahr?
Die Frage zielt darauf ab, die Faktenlage zu prüfen. Wie sieht denn die Realität aus? Antwort: Sie hört mir in der genannten Situation nicht zu.

Hier klaffen also Situation (Sie hört nicht zu) und meine Erwartungshaltung (Das soll sie aber gefälligst tun) weit auseinander.

Byron Katies Botschaft an dieser Stelle ist, dass viele Dinge in unserem Leben geschehen, die wir nicht kontrollieren können. Dagegen ankämpfen zu wollen, versetzt uns nur in eine Verlierer-Position.

Stattdessen rät Katie uns, die Dinge erstmal so zu nehmen, wie sie jetzt gerade sind. Das bedeutet nicht, dass wir deswegen die Hände in den Schoß legen und uns passiv von allem Möglichen überrollen lassen. Es bedeutet nur, erst einmal anzuerkennen, dass die Dinge jetzt gerade nicht so laufen, wie wir uns das wünschen.

Das ist ein erster Schritt, um sich aus dem Stress zu befreien. Aber bei weitem nicht der einzige.

Frage 2: Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Jetzt gilt es, den Gedanken selbst auf den Prüfstand zu stellen. Stimmt diese Aussage wirklich?

Das war ja Katies Kerneinsicht: Wir machen uns Stress, weil wir negative Gedanken ungeprüft für bare Münze nehmen.

Also: Kann ich es wirklich mit ABSOLUTER SICHERHEIT wissen, dass sie mir immer und überall und in jeder Situation zuhören soll oder gar zuhören muss?

Nein, kann ich nicht.

Natürlich gibt es Situationen, in denen es vollkommen legitim ist, nicht zuzuhören. Zum Beispiel, wenn meine Partnerin einen anstrengenden Tag hinter sich hat und nun ganz einfach müde ist.

Oder wie oft war ich selbst in Gedanken und fühlte mich gestört, weil mich jemand mit etwas unterbrach, das mich gerade jetzt nicht interessierte? Wie oft bin ich nicht ans Telefon gegangen, weil ich etwas anderes zu tun hatte?

Ja, es gibt Situationen, in denen es sehr wünschenswert wäre, wenn mir meine Partnerin zuhört – aber daraus die Forderung abzuleiten, dass sie mir immer und überall zuhören sollte, ist vermessen. Und ich würde es auch nicht gut finden, wenn andere so etwas von mir erwarten würden.

Frage 3: Wie reagiere ich innerlich und äußerlich auf diesen Gedanken?
Nun ist es an der Zeit, sich die Auswirkungen dieses Gedankens bewusst zu machen.

Wie reagiere ich gefühlsmäßig auf diesen Gedanken? Manchmal bin ich frustriert und enttäuscht, manchmal aber auch verärgert und sauer.

Mhm. Nicht gut.

Und wie reagiere ich äußerlich? Ich bin meiner Partnerin gegenüber schnippisch und provoziere einen Streit (damit sie mir dann doch noch zuhört); in anderen Situationen verziehe ich mich in mein Schneckenhaus und schotte mich von ihr ab.

Puh!

Die ernüchternde Bilanz: Ich belaste mich emotional und neige zu Verhaltensweisen, die alles nur noch schlimmer machen können.

Das ist es, was Byron Katie mit den Worten meint: „Ich litt, wenn ich meinen Gedanken Glauben schenkte.“

Frage 4: Wie fühle ich mich ohne diesen Gedanken?
Jetzt geht es darum, sich bewusst zu machen, wie es wäre, wenn ich diesem Gedanken eben keinen Glauben mehr schenke.

Wie wäre es, wenn ich statt dessen denken würde, dass es ok ist, dass sie mir gerade nicht zuhört.

Nun, ich wäre auf einen Schlag lockerer.

Ich würde viel entspannter damit umgehen und mir denken: Ok, dann eben ein andermal. Oder wenn mir wirklich was auf der Seele brennt, würde ich wahrscheinlich denken: Sie ist jetzt nicht offen dafür - wen könnte ich stattdessen anrufen, um zu reden?

Das fühlt sich ja schon viel besser an!

Die Gedankenübung: Die Umkehrung
Um mich endgültig aus dem mentalen Gefängnis meines negativen Gedankens zu befreien, prüfe ich abschließend, ob es nicht noch ganz andere Sichtweisen gibt, die ebenfalls zutreffen können.

Dazu dreht man den Gedanken um und prüft, ob man dafür Belege aus dem eigenen Leben findet.

Aus „Sie sollte mir zuhören“ könnte ich zum Beispiel folgende „Umkehrungen“ ableiten:

  • Ich sollte mir zuhören. Kann es sein, dass ich meinen Gedanken und Gefühlen selbst nicht genügend Gehör verschaffe? Und dass ich viel besser damit fahre, wenn ich mir auch bei kontroversen Themen gut zuhören kann? Belege für diese Sichtweise können Situationen sein, in denen ich mir Zeit für mich selbst genommen habe und dabei innerlich ruhiger und gelassener geworden bin.
  • Ich sollte ihr zuhören. Ist es möglich, dass sie abgenervt ist, weil sie sich von mir in bestimmten Punkten nicht verstanden fühlt? Vielleicht hat sie etwas erlebt, dass sie erstmal loswerden muss, bevor sie wieder aufnahmebereit ist? So habe ich das noch gar nicht gesehen. Als Belege fallen mir Situationen ein, in denen ich selbst was auf dem Herzen hatte und mich jemand „zuquatschen“ wollte. Ich hatte dann oft den Drang, das Gespräch schnell zu beenden. Mhm.
  • Sie sollte mir nicht zuhören. Kann es sein, dass sie einen anstrengenden Tag hatte und nun einfach alleine sein muss, um Energie zu tanken? Oder kann es sein, dass sie mir bei bestimmten Themen gar nicht weiter helfen kann und dass es besser wäre, wenn ich mit jemand anderes darüber sprechen würde? Als Belege fallen mir viele Situationen ein, wo ich mit Fremden oder mit Bekannten gesprochen habe, die mir spontan genau den richtigen Tipp geben konnten.
  • Ich sollte mir nicht zuhören. Vielleicht sollte ich damit aufhören, auf meine negativen Gedanken und Interpretation zu hören? Soooo habe ich das noch gar nicht gesehen. Als Belege fallen mir Beispiele ein, in denen ich mich regelrecht in eine miese Stimmung hinein gesteigert habe. Wäre vielleicht besser gewesen, ich hätte meinen eigenen Gedanken in der Situation nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt.

An dieser Stelle beginnt meine "feste Meinung" immer stärker zu zerbröseln - und ich entspanne mich.

Ich beginne die ganze Situation mit viel mehr Abstand zu betrachten, und ich spüre, wie ich das Ganze auch mit einer Portion Humor nehmen kann.

Und aus genauer dieser lockeren Haltung entspringt nicht nur eine vollkommen andere Stimmung, sondern auch ein ganzes Bündel von neuen Verhaltensweisen, mit denen ich die Situation vollkommen anders nehmen kann.

Eine tiefe Wahrheit

The Work mag auf den ersten Blick einfach erscheinen – die dahinter liegende Wahrheit ist jedoch profund: "Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen", sagte schon vor 2000 Jahren der römische Philosoph und Staatsmann Seneca (Wikipedia), sondern es ist unsere Meinung über die Dinge.

Es ist eine Sache, wenn meine Partnerin nicht zuhören kann oder will. Und eine andere, wenn ich der Meinung bin, dass ihr Verhalten ein Beleg ist, dass sie mich nicht respektiert - oder schlimmer noch, dass ich denke, ich wäre selbst nicht respektierenswert.

Wenn ich Faktenlage und Interpretation voneinander unterscheiden kann, verlieren negative Gedanken ihren Einfluss. So weit, so gut.

Byron Katie geht aber noch einen Schritt weiter.

Der Schlüssel zur Freude

Wenn man aufhört, bestimmten Gedanken Glauben zu schenken, verringern wir nicht nur unangenehme Gefühle. Wenn wir uns von dem Getöse unserer Gedanken verabschieden, dann kommt laut Byron Katie etwas zum Vorschein, dass die ganze Zeit da war: „Ich habe eine Freude in mir entdeckt, die ich nie wieder verloren habe – nicht einen einzigen Augenblick lang. Diese Freude ist in jedem – und zwar die ganze Zeit.“

Wenn Sie mich fragen: Das ist doch mal ein erstrebenswertes Reiseziel! Und so begebe ich mich gleich mal an einen weiteren Durchlauf mit The Work…

Weitere Infos unter

The Work - Die Website von Byron Katie

Moritz Boerner ist der bekannteste deutsche Trainer und Coach von The Work.

 

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